Island – Sommer 2014 – Teil 4

Von Chacker|18. Januar 2017|Island|

Am nächsten Morgen sollte es Richtung Inland gehen. Auf dem Plan stand eine Fahrt über Borganes und Reykholt zu den Hraunfossa, von dort ein Stück zurück und über eine Schotterpiste zum Thingvellir Nationalpark, weiter über den Geysir zum Gullfoss und von dort nach Fludir, unserem nächsten Hotelstandort. Ein wirklich volles Programm für einen Tag.

Das schöne an Island ist, dass man auch während langer Autofahrten immer, ja wirklich immer etwas zum Bestaunen sieht. So werden auch lange Fahrten nicht langweilig und an den Hraunfossar angekommen bewunderten wir unseren ersten größeren Wasserfall auf Island. Hier bricht das Wasser in einem unwirklichem Blau direkt unter der Lava eines Lavafeldes hervor und das auf einer Breite von 100m. Äußerst beeindruckend und wunderschön. An den Hraunfossar lässt es sich auch prima umherspazieren und die Beine von der Fahrt vertreten, was wir auch ausgiebig taten.

Weiter ging es über eine Schotterpiste und, wie wir sie jetzt für uns nennen, die bolivianische Hochebene. Für jemanden der eigentlich nur asphaltierte Straßen gewohnt ist, bedeutete so eine Schotterpiste schon etwas Aufregung, schließlich wollten wir ja auch das Auto nicht beschädigen. So mutierten wir zu einem Verkehrhindernis für die wenigen Autos die uns auf dieser „Straße“ begegneten. Irgendwann konnte ich dann die Fahrt auf Schotter auch genießen und als wir glaubten sie sei bald zuende, wurden wir mit einer einsamen Hochebene belohnt. Weit und breit nichts als Wüste aus Steinen, Schotter und Sand. Mittendrin trohnt ein sanft ansteigender Schildvulkan, der die Ebene beherrscht. Hier war es so still und abgelegen, wie ich es garnicht gewohnt war und das machte die ganze Szene einfach wunderbar surreal. Am ehesten erinnerte mich diese Aussicht an eine bolivianische Hochebene und so bekam sie genau diesen Namen von uns.

Irgendwann kamen wir in das totale Kontrastprogramm, das wunderschöne Thingvellir, das im Gegensatz zur Einöde vorher wie das Paradies erschien. So grün von Bäumchen und Büschen, soviel Wasser im See. Natürlich bewunderten und durchwanderten wir die Spalten der dünnen Erdkruste hier, mitten auf dem mittelatlantischen Rücken. Der kleine Wasserfall Öxarafoss ist in diesem Nationalpark das Sahnehäubchen.

Nach kurzer Stärkung ging es weiter zum Geysirgebiet. Die Fahrtstrecken sind, der Aussicht wegen, eigentlich ein Erlebnis für sich und selten hat mir Autofahren soviel Spaß gemacht. So viel zu schauen, egal wohin das Auge sieht. Als Hobbyfotograf musste ich auch die ganze Zeit gegen die Versuchung ankämpfen, ständig anzuhalten und die Szenerie zu fotografieren. Das war überhaupt DIE Hauptherausforderung der ganzen Reise. Nach einer aufregenden Fahrt kam dann auch das Geysirgebiet in Sicht. Gelegen am Rande eine großen Eben mit mehreren Seen, hat man von hier aus eine beeindruckende Sicht auf den Langjökull, einem gewaltigen Gletscher. Den Geysir selbst gibt es leider nur als dampfendes, großes Wasserbecken zu sehen. Sein letzter Ausbruch war wohl schon zehn Jahre her. Dafür ging sein kleinerer (immer noch 30m hoher) Nachbar Strokkur ungefähr alle fünf Minuten hoch in die Luft. Was für ein Spektakel. Bei so einem Schauspiel ist man natürlich nicht der einzige Besucher und so trafen wir auf ein Haufen anderer Islandreisender.

Nach erneuter Stärkung und Bummel durch das Geysir Besucherzentrums fuhren wir zum zweiten großen Wasserfall unserer Reise, dem mächtigen Gullfoss. Der liegt quasi direkt um die Ecke und wartet als Besuchermagnet auch mit großem Parkplatz und Besucherzentrum auf. Jedoch war das ganze touristische Brimborium vergessen, als wir ihn dann sahen. So im Abendlicht Islands machte er schon mächtig Eindruck und als wir den Weg zu ihm hinuntergingen wurde aus dem Rauschen ein lautes Donnern der Wassermassen. Auf einmal fühlte ich mich so richtig klein. Irgendwas machen diese Wunder der Natur mit mir. Irgendwas Gutes.

Viele schöne Augenbicke später konnten wir uns losreißen und machten uns auf nach Fludir. Rund 30km durch die hübsche grüne Ebene später kamen wir ins Hotel und waren nur noch fertig. War ja auch ein langer Tag.