Von Chacker|12. Februar 2017|Ausrüstung, Fotogear|

Die Praktica MTL 5B –

Nach meinen positiven Erfahrungen mit der Pentacon Six TL und der Lomo Smena Symbol war ich nun auf der Suche nach einer Kleinbild Kamera, die verlässlich ist, eine gute Objektivauswahl bietet und möglichst vollmechanisch aufgebaut ist. Von der Pentacon Six ist da der Blick zur Praktica nicht besonders weit, ist sie doch quasi die kleine Schwester mit ähnlicher Erscheinungsform und Ergonomie.
Ich lese mich also schlau und durchstöbere die Angebote in diversen bekannten Internetbörsen nach einer passenden Gelegenheit, da kommt mein Schwiegervater und stellt mir einfach seine alte Praktica auf den Tisch. Uff. Mein Grinsen könnt Ihr Euch sicher vorstellen. Also steht da eine, zumindest in meinen Augen, wunderschöne Praktica MTL5B mit dem 50mm/1.8 Pentacon Auto mitsamt flexibler Gummigegenlichtblende und wartet nur auf Einsatz.

Die ganze Kamera ist ziemlich einfach gehalten und macht auch in der Hand einen sehr robusten Eindruck. Obwohl man es nicht unbedingt merkt, ist das Gehäuse teilweise aus Kunsstoff gefertigt und macht so die Kamera relativ leicht. Der Spannhebel ist seltsam lang übersetzt und „beschleunigt“ den Film beim Aufziehen gefühlt ziemlich stark. Verschlusszeiten und Filmenpfindlichkeit lassen sich sauber rastend am selben Rad einstellen und der Rückspulhebel tut sein Werk wie man es erwartet. Soweit alles normal. Spannend wird’s beim Sucher, der für mich als DSLR gewohnten Benutzer vergleichsweise groß daher kommt und als besonderes Schmankerl einen doppelten diagonalen Schnittbildindikator plus Mikroprismenring als Fokussierhilfe bietet. Doppelt hält bekanntlich besser und durch die diagonale Anordnung ist man nicht auf vertikale Linien zum Anvisieren angewiesen. Tolle Sache das!


Die Helligkeit ist eher mittelmäßig jedoch bietet die Mattscheibe dafür eine den Kontrast steigernde Textur, was für guten Durchblick bei der Komposition sorgt. Der Auslöser ist, wie auch bei der Pentacon Six, vorn am Gehäuse angewinkelt angebracht und damit außerordentlich ergonomisch zu bedienen. Warum nur hat sich diese tolle Variante nicht weiter verbreitet? Für Kabelauslöser gibt es ein Standardgewinde und einen drehbaren Ring zur Sperrung des Auslösers. Direkt über dem Auslöser befindet sich die etwas windig erscheinende Taste zur Aktivierung der Belichtungsmessung sowie zum Abblenden auf Arbeitsblende bei Objektiven, die keine Offenblendmessung bieten. Zum Glück kann das 50mm/1.8 Pentacon Auto genau das und so bleibt vom mittelprächtig hellen Sucherbild beim Messen und Fokussieren alle Helligkeit erhalten.

Für den Anfang hatte ich den Kodak Portra 400 als Testfilm eingelegt und bin vom innovativen Ladesystem vollauf begeistert! Einfacher geht’s wohl nicht. Film rein, bis zum grünen Strich vorziehen, unter der Führung in die Zähnchen der Transports „einhaken“ und aufziehen, Klappe zu auslösen und noch zweimal aufziehen und auslösen. Fertig. Kein Gefrickel in Schlitze oder dergleichen. Toll!
Das Fotografieren selbst geht problemlos von der Hand, kann ja auch nicht viel verkehrt laufen bei so einer spartanischen Kamera. Mit Druck auf den Belichtungsmesser wird rechts im Sucher ein Pfeil aktiviert, der klassisch analog die Belichtung auf einer nicht beschrifteten Skala von ca. +- zwei Blenden anzeigt. Der Verschlussmechanismus allerdings ist eine Klasse für sich. Bezeichnet als dreiteiliger Metalllamellenverschluss (Titan?) gilt er als besonders zuverlässig und macht auch genau dieses Eindruck. Verstärkt wird dieser noch durch den enorm lauten Spiegelschlag, der sich auch recht kräftig anfühlt jedoch keine negativen Auswirkung auf die Bildschärfe haben soll. Zumindest bei den üblichen Belichtungszeiten in der Hand.
Manuelles Fokussieren will gelernt sein und so sind beim ersten Film schon einige verschwommene Bilder dabei. Jedoch kann ich von einer knackigen (Film-) Schärfe sprechen, wenn der Fokus denn sitzt.  Weitere verschossene Portras legen davon Zeugnis ab. Objektiv und Kamera leisten sich im Zusammenspiel keine Schwächen in Abbildung und Belichtung.

Fazit:
Die Praktica MTL 5B macht in Bedienung, mechanisch und als zuverlässiger Begleiter einen sehr guten Eindruck und wird mich noch öfter Begleiten dürfen.

Fotos? Fotos! -> 

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