Von Chacker|Juni 24, 2017|Island|0 Kommentare

Den ausgiebigen Produktrecherchen zuvor sei dank, hielten uns die Schlafsäcke schön warm und so erwachten wir morgens von einem sehr seltsamen Geräusch. Einer Mischung aus dem Blöken von Schafen und Lämmern, dem Meckern kleiner Ziegen und den Speedern aus Starwars. Ernsthaft! Ganz offensichtlich flogen kleine Ziegen auf Speedern aus Starwars um uns herum durch die Gegend. Die geringe Wahrscheinlichkeit dieses Ereignissen ließ mich dann auch schnell das Zelt öffnen und siehe da, es waren keine Ziegen, Schafe oder Starwars Speeder. Amselgroße Vögelchen waren die Ursache. Dinge gibt’s! Man nennt sie übrigens auch Himmelsziegen.

Nach Frühstück mit fast hartgefrorener Butter, Duschen, Abbauen und Einpacken konnte es dann losgehen. Auf nach Jökulsarlon!
Die Ringstraße 1 führt direkt um den höchsten Berg Islands herum und beschert hier natürlich spektakuläre Ausblicke. Soviel zum Schauen auf einmal stellt hohe Ansprüche an die Fahrer, müssen die sich ja auch noch auf den Straßenverkehr konzentrieren. Zugegebener Maßen war der zu dieser morgendlichen Zeit so weit ab von Reykjavik quasi nicht vorhanden, aber von der Straße abkommen war auch keine Option mit Aussicht auf Amüsement. So blieb den Fahrern
nur ständiges Kopfschütteln, Links<->Straße<-Links->Straße usw.usw. 

Unser Ziel war ja Jökulsarlon und wir fuhren auch einen Parklatz an, daneben ein Flüsschen und im Hintergrund, na klar, ein Gletscher. Auf den zweiten Blick war das dann zwar doch nicht Jökulsarlon, aber eine kleinere Gletscherlagune die irgendwie ein Geheimtipp zu sein schien. Es war nämlich niemand außer uns dort. Wie idyllisch. Weit hinten lag der Gletscher, dessen gigantische Größe eigentlich nur zu schätzen war, als ein wirklich winziges Motorboot davor herfuhr und zwischen beiden immernoch mindestens ein Kilometer passte. Solche Dimensionen sind sehr schwierig zu erfassen.
Kurz darauf erreichten wir dann die echte Jökulsarlon und waren noch beeindruckter, wenn das denn überhaupt geht. Wahrhaft riesige Eisklumpen bzw. mittelprächtige Eisberge von Mehrfamilienhausgröße (über Wasser) dümpelten in dieser großen Lagune herum. Was für ein Bild. Der kleine Fotograf in mir war natürlich so richtig aus dem Häuschen, obwohl es meiner Ansicht nach recht schwierig ist, diesem Anblick mit einem Foto gerecht zu werden. Versucht habe ich natürlich trotzdem. Man konnte dort sogar mit Amphibienfahrzeugen Ausfahrten durch die Eisberge unternehmen, was wir absolut dämlicher Weise nicht taten. Schon ein paar Stunden später bereuten wir diese Entscheidung sehr.

So waren wir auf dem Wege nach Höfn, laut Plan eine gute Stunde. Durch ständiges Anhalten, Schauen und Fotografieren dehnte sich die Zeit doch ganzschön aus und zusätzlich wurde das Benzin immer knapper. Wir sind zwar bei der Reisevorbereitung des Öfteren auf den Hinweis gestoßen: „Tank wenn Du kannst“, aber hatten das eher auf das wilde Hochland Islands bezogen. Ähh. Fehler! Tatsächlich sind Orte mit mehr als zwei, drei Höfen auf Island eher selten und so
ist es dasselbe mit Tankstellen. Ganz besonders Richtung „weitab“ von Reykjavik. Auf den Karten sehen die Entfernungen auch nicht wirklich groß aus und so überschätzten wir unsere Reichweite ein wenig und kamen quasi auf den letzten Tropfen in Höfn an. Kurz vorher hatten wir schon richtig Panik, auf der gut einen Kilometer langen und EINSPURIGEN Brücke vor Höfn liegenzubleiben. Das wäre sicherlich eine wirklich doofe Situation gewesen. Der Sprit hat jedenfalls knapp gereicht und wir hatten gelernt.

Am Hafen ließen wir es uns dann bei lecker Essen gut gehen und machten uns nach etwas Sightseeing in Höfn auf, den recht nahen Leuchtturm von Stokksnes anzuschauen und das naheliegende historische Wikingerdorf zu besichtigen. Nach kurzer Schotterpistenfahrt auf dem Parkplatz angekommen befiel uns wohl so etwas wie Suppenkoma und wir waren allesamt wenig motiviert, zum Leuchtturm und zum Wikingerdorf zu laufen. Ja, so verpassten wir grandios dämlich nicht nur eine alte amerikanische Radarstation und ein schön gemachtes Wikidorf, sondern auch ein wunderbares, wohlbekanntes Fotomotiv – Vestrahorn. Toll. Dann eben ein anderes Mal.

Wir hatten ja noch einiges an Strecke zu machen und nach dem irgendwie leicht gruseligen Almannaskarðsgöng, einem langen Tunnel, waren wir auch an der Ostküste Islands angelangt. Die Landschaft änderte sich sehr schnell von grünem Küstenstreifen zu fjordig steil und machte mächtig Eindruck auf uns. Das kalte und windige Wetter verstärkte das Ganze noch und noch heute ist mir der Osten Islands zu unrecht als unwirtlich kühl in Erinnerung.
Die Ringstraße schlängelt sich direkt an den steil ins Meer abfallenden Bergflanken oft hoch über dem Wasser entlang und bietet so spektakuläre Anblicke. Immer wieder hielten wir an und ließen diese Szenerie auf uns wirken. Zwischendurch fing unser Auto an, nach Trockenfisch zu stinkern weil ich eine Packung aufgemacht und nicht aufgegessen hatte. Aus purer Nächstenliebe versteckte ich diese bei einer der „Gucken und Staunen Pausen“ im Auto unserer Freunde, die sich fortan an muffigem Fischduft erfreuen konnten.

So verging der Nachmittag sehr rasch und ohne große Zwischenstops kamen wir bei wunderbarem Sonnenschein am geplanten Zeltplatz am Lögurinn See an. Auf den letzten Kilometern fuhren wir sehr verwundert und erfreut durch so etwas wie einen Wald. Auf Island. Zwar waren die Bäume nicht wirklich hoch, aber die nun tiefstehende Sonne, der wunderschöne See und das ganze Drumherum ließen uns den kleinen Zeltplatz direkt am See richtiggehend idyllisch erscheinen. War er ja auch. Abgesehen vom dort hausenden Seeungeheuer, das sich uns leider nicht zeigen wollte. Die erholsame Nacht wurde wohl recht kalt, wie uns der morgendliche Reif auf dem Zelt verriet.

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