Von Chacker|29. Juni 2017|Island|

Ein neuer Morgen ein neuer Plan. Es sollte weiter in Richtung Norden und Osten, genauer gesagt am Dettifoss vorbei nach Vesturdalur, dann Asbyrgi und von dort nach Husavik. Wieder so ein voller Tag. Wir entschieden und für die „Straße“ Nummer 862 und damit für die Westseite des Dettifoss. Die erschien uns ganz frisch asphaltiert und daher etwas langweilig. Am Parkplatz zum Dettifoss waren wir dank des frühen Morgens die ersten Besucher und hatten so die Chance auf einen ganz intimen Moment mit Europas mächtigstem Wasserfall. Auf dem kurzem Stück Weg durch die Felsbrocken zum Wasserfall hin durchquerten wir eine kleine Senke und bekamen so zunächst garnichts mit. Bis wir über den letzten Hügel kamen. Das Mächtigste, was ich bis dahin gesehen hatte lag auf einmal vor uns. Die verschiedenen Reiseführer überbieten sich ja gegenseitig, wie beeindruckend der Dettifoss doch sei und keiner konnte dem wahren Anblick auch nur gerecht werden. Kein Photo, kein Video und keine Beschreibung kann rüberbringen, wie imposant dieser Wasserfall ist. Hundert Meter breit und fast fünfzig Meter tief hört sich zwar schon recht groß an, aber es ist die Wassermenge und die ungestüme Art und Weise wie diese tosend über die Kante donnert, was diesen Wasserfall so beeindruckend macht. Leider war der Weg direkt zum Wasser hinunter gesperrt wegen Erdrutschgefahr. Schade, dann eben ein anderes Mal! So wanderten wir ein Stück weiter stromaufwärts zum Selfoss. Dieser wunderschöne Wasserfall nahm mich quasi gefangen und wir verbrachten einige Zeit dort in (ja, IN) den Steilklippen über dem Fluss. Eine kleine Felsplatte machte es möglich. Wunderbar.

 

Es zog uns irgendwann trotzdem weiter, wollten wir doch die Basaltformationen und den Echofelsen von Vesturdalur sehen. Kurz hinterm Dettifossparkplatz endete die frische Asphaltdecke der 862 und wir fuhren diese wunderbare Ansammlung von mit Schotter und Sand zusammengehaltenen Schlaglöchern weiter entlang nach Norden. Nach Vesturdalur ging es irgendwann rechts ab und steil nach unten, zurück zum Fluss, der Jökulsá á Fjöllum. Am Rastplatz da unten war erstmal Essen angesagt, sollte doch eine gute Strecke wandern folgen. Und das tat sie. Anfangs ging es kurz durch ein kleines Buschwerk, das sich auch Wäldchen nennen könnte und schnurstracks auf die bizarren Überbleibsel von Vulkanschloten aus Basalt zu. Irre Formen. Ein bischen Dimmu Borgir in groß und bizarrer. Dann war ein wenig Klettern angesagt. Die kleinen Wege und Naturstufen aus Basaltsäulen dort bedürfen schon ein wenig Trittfestigkeit und sehen ab und an richtiggehend verwunschen aus. Ein paar Mal standen wir vor Felswänden und fragten uns, ob dies nun der Echofelsen sei. Das Rätsel löste sich nicht und scheinbar wird die Gegend Echofelsen genannt. Sei’s drum. Aufregend allemal und der rote Berg, die Rauðhólar sind wohl eigentlich auch einige Vulkankrater aneinandergereiht und stechen mit dem knalligen Rot so richtig aus der Landschaft heraus.

 

Zurück aus den Felsformationen wollten wir noch in der Asbyrgi Schlucht wandern gehen und fuhren die paar Kilometer weiter nach Norden bis sehr nah an die Küste heran. Nach der ganzen Felslandschaft war dieses Tal eine richtig bunt-grüne Abwechslung und sah so idyllisch aus. Als Tour hatten wir einen Rundweg auf der Felseninsel Eyjan geplant und gingen dort oben bis zur „Spitze“ der Insel. Der Ausblick in die Schlucht bot wieder einmal einen ganz besonderen Anblick. Ein Meer aus Bäumchen umrahmt und eingefasst von steilen und schroffen Felswänden. Die tiefstehende Sonne verstärkte die warmen Farben und verschob die Stimmung ins Märchenhafte. Hier eine Rast zu machen konnten wir nicht widerstehen. So nah an der Küste drängte es uns dann doch irgendwann zurück ins Auto und Richtung nahem Ozean.
Das kurze Stück nach Husavik führt um einen Berg herum direkt an den Nordatlantik. Was für eine Optik das war. Die Augen hatten sich in den letzten paar Tagen so an die karge, meist von Schwarz, Grau und Grün bestimmten Landschaft gewöhnt, dass das unglaubliche Blau des Atlantiks regelrecht im Auge explodierte. Das ist keine Übertreibung. Außer einem begeistertem und leicht dümmlichen „Wooooow“ brachten wir die Augenblicke nicht zu stande. Das Licht Islands zauberte viele Schattierungen von Türkis und Hellblau in das Meer und die Weite tat das Übrige. An der Steilküste mit Kurven Auto zu fahren war in diesem Moment wirklich schwer. Husavik empfing uns dann von seiner schönsten Seite und gefiel uns sofort. Ja sogar so sehr, dass wir auf einmal gar keine Lust hatten, das Zelt aufzuschlagen usw. sondern uns direkt eine kleine Pension suchten. Mit richtigem Bett. Luxus in diesem Moment. Mit einem kleinem Abendessen und anschließendem Spaziergang durch Husavik and Hafen fand unser Tag sein wohlverdientes Ende in einem richtigen Bett.