Agfa Isolette II

Von Chacker|7. Juli 2017|Fotogear|0 Kommentare

Manch einer mag Das kennen – man schlendert so über einen Flohmarkt mit der Hoffnung auf den einen Schatz als Schnäppchen und glaubt aber nicht so richtig daran. So schlenderte auch ich auf einem Flohmarkt herum. Ja, natürlich gibt es da allerlei interessante Sachen zu sehen und zu kaufen und ein paar sehr interessante Menschen fand ich auch zum Unterhalten. Aber es gab haufenweise Kims und Krams und jede Menge Schund. Zwischen eben diesem Schund lugte so ganz unschuldig und vergessen eine Agfa Isolette II hervor und bei näherer Betrachtung war sie mit dem Agfa Solinar 75/3.8 Objektiv ausgestattet. Ein wirklich feines Ding alter deutscher Linsenmacher. Bis auf die langen Zeiten schien auch alles ganz gut zu funktionieren und das Beste war der Preis. Einen Zehner sollte sie kosten. Da konnte ich natürlich nichts falsch machen und schlug zu. Nun ist sie bei mir, die alte Dame. Nach einer sicher dilettantischen Grundreinigung funktionierte dann auch die Entfernungseinstellung – obwohl leicht leicht versetzt. Egal.

Was ist das nun für eine Kamera? Eine wunderschöne und toll verarbeitete einklappbare Balgenkamera aus den frühen 50er Jahren für 120er/220er Rollfilm im 6×6 Format. Oha. Zusammengefaltet passt sie in jede Tasche (sogar die Hosentasche geht manchmal) und bietet an modernem Komfort überhaupt Nichts. Nein wirklich – GARNICHTS. Der Sucher ist ein einfaches verglastes Guckloch im Quadrat, die Entfernung muss man schätzen und am Objektiv ohne Kontrollmöglichkeit einstellen, den Film dreht man von Hand weiter solange man will (Indikatorfenster an der Rückseite), die Belichtungszeit schätzt man (oder misst mit externem BeLi), stellt sie am Verschluss vorn am Objektiv ein und zieht den Verschluss auch noch separat auf. Kurz, Fotografie pur. Perfekt für den schnellen Schnappschuss zwischendurch – nicht. Nach einigem Herumspielen hab ich sie dann mit Film bestückt und zwar mit Fuji Velvia RVP 50 um die Farbeigenschaften Solinars besser beurteilen zu können. Und weil Velvia RVP 50 einfach geil ist. Velvia halt.

Der Film lässt sich einfach hervorragend leicht einlegen. Da hat sich wer die richtigen Gedanken gemacht damals und eine vernünftige, klappbare Rollenaufnahme mit Filmanpressfeder entworfen, was das Film Einlegen an anderen MF Kameras einfach nur frickelig erscheinen lässt. Wow. Klappe zu und durchs Indikatorfensterchen geschaut beim Drehen bis die „1“ erscheint. Hab’s vergeigt und hab dann gleich auf Bild Nummer zwei weitergedreht. Luke wieder dicht und Motive suchen. Ein Park im Frühling, ein paar Personen, eine Straße und ein Friedhofsweg. Nach zwei Tagen war der erste Film durch und konnte zum Entwickeln. Man war ich aufgeregt.
Ich wusste ja nicht, ob ich überhaupt was auf den Fotos erwarten konnte und ob es scharf fokussiert war schon gar nicht. Die Entfernung musste ich ja mangels aufsteckbarem Entfernungsmesser grob schätzen und auf eine leicht verschobene Entfernungsskala übertragen. Der Vorgang Aufklappen, Fokus schätzen, Blende (Schärfentiefe schätzen) und einstellen, Belichtungszeit schätzen/messen und einstellen, Verschluss aufziehen, Motivausschnitt durch das Guckloch schätzen und dann erst dieses kleine Klick des Verschlusses auslösen hat irgendwie was Besonderes.

Die Bilder kamen dann an und ich war sehr positiv überrascht. Mit dieser Qualität hatte ich bei einer Kamera mit mindestens 60 Jahren auf dem Buckel nicht gerechnet. Klar, bei Motiven in Entfernungen < 3 Metern lag ich mit dem Fokus teils daneben, aber die auf > 3 Meter Entfernung fokussierten sind mal mindestens auf dem Niveau einer guten späten 35mm Kamera. Richtung Rand fällt die Schärfe gefühlt ab, aber das kann auch an mir liegen. Farbstichig ist das Solinar auch nicht und der Verlauf Schärfe-Unschärfe ist seidenweich und ruhig. Jawoll. Ein kleiner Schatz für einen Zehner! Vielleicht lass ich den Fokusring auch nochmal richten. Bis dahin wird sie wohl mehr weiter entfernte Motive ablichten.

Diese Kamera hat mich sehr positiv überrascht und kommt wegen der kompakten Ausmaße nun öfter mit. Ja, sie durfte mich später sogar als kleine MF Reisekamera nach Japan begleiten und brachte schöne Ergebnisse (Bericht folgt).

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