Von Chacker|Oktober 3, 2017|Deutschland|0 Kommentare

(Fotos folgen nach der Entwicklung)

Was macht eine übermotivierte Couchkartoffel wie ich, wenn Kumpels nach einer 2-Tagestour im Harz fragen? Genau, zustimmen. Schließlich wollte ich mich ja sowieso wieder mehr bewegen und so Herbstwetter im Harz verspricht ja auch schönes Licht und neblig-bunte Wälder. Also schnell Apartments gebucht – ja ich weiß, Zelten wäre noch abenteuerlicher gewesen – und das lange Wochenende zum Tag der Einheit nutzen. Untergekommen sind wir vier Kerls in Elend (so heißt der Ort tatsächlich) im Hochharz in den Apartments Eli-Lenti, die uns ziemlich gut gefallen haben. Hier werden wir sicher wieder anfragen, wenn uns das nächste Mal der Hafer sticht.
Die Herbstfarben schreien ja gerade nach einem passenden Film und da viel mir spontan der Velvia RVP50 ein. Überraschung? Nicht wirklich, bin ja ein Fan davon. Verknipst wurde der in meiner „neuen“ Olympus OM1 mit schicken dem 1.8er 50mm darauf, die ich wenige Tage zuvor von einem sehr netten Herren namens Heinz ersteigert hatte. Als Backup war natürlich das Smartphone in der Tasche. Das Stativ musste wegen seinem Gewicht und meiner Bequemlichkeit zu Hause bleiben.

Wo also trieben wir uns herum?
Die erste Tour (Tag 1) begann in Thale und führte uns auf 21 Kilometern mit 740 Metern Höhenunterschied durch das angeblich schönste Tal des Harzes (das Bodetal) direkt in den Grand Canyon des Harzes. So stand es zumindest großspurig im Reiseführer. Voller Erwartung stiefelten wir bei bestem Wetter los und nach dem ersten steilen Aufstieg, der mit einer halben Stunde Länge ganz schön anstrengend war, sahen wir für ein paar Stunden eigentlich nichts von diesem Tal. Der Weg führte an mehreren schicken Wegpunkten wie dem unglaublich vollen Hexentanzplatz und dem Pfeildenkmal vorbei eigentlich immer oben auf dem Berg entlang. Auf der Hälfte ging’s dann wieder nach unten und wir kehrten in Treseburg in ein Restaurant auf deftige Wildschweinbratwürste ein. Mit lecker Bier löschten wir auch unseren Durst und weiter ging es an der Bode entlang. Hier hatten wir nun wirklich das Gefühl, in einem Tal zu sein. Die Berge links und rechts wurden auch immer steiler und höher. Aber der Grand Canyon? Ich hatte den von Bildern her eigentlich anders in Erinnerung.

Ein paar Kilometer weiter hinter der Rabenklippe fing es langsam an. Der Weg wurde steiler, das Tal weiter und ganz plötzlich standen wir vor einem wirklich beeindruckenden Panorama. Ein großer Talkessel, in dem sich die hier schnell fließende Bode an der Roßtrappe durch den Berg geschnitten hat. Wow. Nicht ganz Grand Canyon, aber dafür ein tolles Harzpanorama in abendlichen Licht. Die Roßtrappe stand bei uns nicht auf dem Plan und nach dem Abstieg zur Bode hinunter waren wir auch schon etwas platt. So ging es in der Klamm der Bode unter der Roßtrappe hindurch wieder nach Thale und dann nach insgesamt 23 Kilometern ab ins Apartment.

Die zweite Tour am Folgetag las sich mit 13 Kilometern, ein paar Aussichtsklippen und Bohlenstegen im Hochmoor eigentlich ganz gemütlich für einen zweiten Tag Wandern. Das Wetter war an diesem Tag wirklich herbstlich mit dunklen Wolken, Regen, Wind und Unmengen an Nebel – genau wie ich es mir gewünscht hatte. Aus der gemütliche Tour wurde irgendwie ein kleines Abenteuer, denn die Wegbeschreibung und Karte im Wanderführer waren im Zusammenhang mit dem Zustand der „Wege“ im Moorgebiet und unseren wirklich grandiosen Orientierungsfähigkeiten irgendwie nicht geeignet. Kurz, wir rätselten schon nach kurzer Zeit, wo wir waren und freuten uns über jeden Orientierungspunkt.

Im Moorgebiet oben im gröberen Umfeld nordöstlich der Leistenklippen verliefen wir uns dann auf der Suche nach den roten Punkten, auch Wegmarkierungen genannt, endgültig. Hier lagen modrige Bäume kreuz und quer über, auf und um die „Wege“ herum (was ja wirklich schön ist) und irgendein Scherzbold hat scheinbar willkürlich immer halb versteckt überall diese roten Punkte gesetzt. Vielleicht waren wir auch nur zu doof im Nebel und Regen da oben. So irrten wir ein bisschen herum und lernten Kompass und Wanderkarte lieben. Unsere Laune war jedenfalls trotz ziemlich durchnässter Regenbekleidung sehr gut, so eine Tour fordert schließlich auch und man kann so schöne Geschichten erzählen später. Die genial stimmungsvolle Umgebung tut ein Übriges. Irgendwann fanden wir auch den richtigen „Weg“ wieder und es ging an den Leistenklippen vorbei und über Holzbohlen zurück zum Schierker Bahnhof. Aus 13 Kilometern wurden irgendwie 17 und aus Regenkleidung und wasserdichten Schuhen ein Haufen nasser Kram. Tatsächlich war ich schon recht fertig als wir am Auto ankamen aber die Aussicht auf eine Erbsensuppe bei Kukki hielt mich und Freunde am Leben. Diese Belohnung hatten wir uns wohl verdient und genossen auch jeden einzelnen Löffel!

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