Island 2017 – Ein langes Wochenende im Herbst Teil 1

Von Chacker|13. November 2017|Island|

Weil die Nordlichter im März so toll waren und, naja, Island sich ja zu unserem bevorzugten Reiseziel gemausert hatte, musste es im Herbst schon wieder dorthin gehen. Warum auch nicht? Diesmal jedoch wollten wir gern meine Eltern mitnehmen und ihnen zeigen, wovon wir so oft schwärmen. Erlebnisse teilen ist ja eh meist besser als sich allein an sie zu erinnern. Im Herbst und mit meinen Eltern hatten wir uns für die „luxuriöse“ Variante eines verlängerten Wochenendes in schönen Hotels entschieden – Zelten war im Oktober mal keine Option.

Nun hatten meine Frau und ich auf den vorangegangenen Reisen ja schon ein wenig Erfahrung sammeln können und arbeiteten eine Art Kurzreise aus, wie sie ein professsioneller Reiseanbieter wohl auch nicht besser hätte machen können. Der Plan war, von dem im Herbst nicht besonders reichlich vorhandenen Tageslicht so viel wie möglich zu nutzen. Das hat natürlich lange und anstrengende Tage zur Folge, aber dafür schläft man abends sehr gut ein. Der fahrbare Untersatz sollte ein Nissan Quashqai werden, wegen Allrad und Winter und Schnee und überhaupt – Allrad! Als Fotokram kamen mit : die Fuji XPRO1, Olympus OM1, Voigtländer Vitomatic II und die Agfa Isolette. Als Film der Fuji Velvia RVP50 sowie Adox CMS20 II. Ne Menge Kram.

Der erste Teil hatte als Thema „Lavafelder, kochender Schlamm und Springquellen“. Übersetzt bedeutet dass, wir machten nicht die so typische Anreise über Reykjavik und dann den golden Circle, sondern bogen gleich hinter Keflavik nach rechts ab um auf die Südseite der Reykjanes Halbinsel zu kommen. Natürlich durfte aber der Einkauf im örtlichen Supermarkt (Snacks und LAKRITZE!) sowie das „Willkommensmenü“ bei Subway auch diesmal nicht fehlen.

Was haben wir uns also auf der Südseite Reykjanes angeschaut? Zuerst einmal Lavafelder und Berge, denn davon gibt es dort ja jede Menge von zu bestaunen. Aber unsere eigentliche erste Station waren Reykjanesviti und Gunnuhver. Spätestens hier bemerkten meine lieben Eltern, warum wir zur Vorbereitung immer wieder auf besonders warme und robuste Kleidung hingewiesen hatten – Es blies ein ordentlicher kalter Wind an der Küste und allgemein war das Wetter eher als mittelprächtig schlecht zu bezeichnen. Ziemlich verhangen und ein bisschen Regen ab und an. Wunderbar, wie ich meine. Unterstreicht es doch geradezu die Rauheit der Landschaft.

 

Ja, der erste Eindruck für meine Eltern war wohl etwas ungemütlich. Nächster Punkt war nach der Brücke zwischen zwei Kontinenten das Krisuvik Geothermalgebiet. Bei Regen hatte ich es bisher noch nicht gesehen und es hat, wenig überraschend, auch bei regelrechtem Schmuddelwetter seinen ganz eigenen Reiz. Von oben kalt und nass, von unten warm und mit Schwefelstinke. Sachen gibt’s. Es war auch recht wenig los zu diesem Zeitpunkt und so kamen wir uns wieder ein bisschen weiter von der gewohnten Welt weg als wenn die Reisebusse halt machten. Sehr schön.

Da wir die nächsten zwei Nächte direkt am Geysir verbringen wollten ging es nach der Strandarkirkja auch genau dorthin. Praktisch. So wählte sich das nächste Ziel von ganz alleine aus. Die Fahrt dauert ja etwas und obwohl sich -nun schon am späten Nachmittag- im warmen Auto etwas Müdigkeit breitmachte, konnte ich sehen, wie meine Eltern die Gegend bestaunten. Ein Freund hat es mal sehr treffend beschrieben: „Man kann sich regelrecht kaputt gucken. Überall wo man hinschaut ist Etwas zu sehen.“ Oder so.

 

Gern würde ich ja schreiben, wie schön der Strokkur im abendlichen Licht anzuschauen war. Aber, es war bewölkt. Das machte natürlich dem Strokkur nichts und uns auch nicht. Wer sich bewusst macht, wie dünn dort die Erdkruste ist und was für ein Naturwunder man dort bestaunen kann wird … ja was eigentlich? Begeistert sein? Beeindruckt? Ergriffen? Das muss wohl jeder für sich selbst herausfinden. Die richtigen Worte dafür kenne ich leider nicht. Auf jeden Fall gefiel es uns allen sehr gut und das Beste war der Weg zum Hotel. Einhundert Meter, großzügig geschätzt.

Wir hatten dank früher Buchung zwei Zimmer im Litli Geysir Hotel bekommen können, von dessen urgemütlich-modern eingerichteten Restaurant/Frühstücksraum man direkt den Strokkur bewundern kann. Beim Essen! Genial. Also beides, das Abendessen dort und die Aussicht. Draußen blieb es bewölkt und daher war auch leider nichts mit Nordlichtern. Dafür war beim Strokkur und Geysir überhaupt kein Besucher unterwegs und so ein abendlicher Spaziergang allein mit blubbernden Schlammtöpfen und eruptierenden „Wasservulkanen“, das ganze auch noch im Dunkeln ist etwas ganz Besonderes.

So still war es, das ich im Hintergrund erst einen Zug vermutete bis mir einfiel, dass es diese garnicht gibt auf Island (soweit ich weiß). Nein, im Hintergrund rauschte der Gullfoss! Er rauschte, ich lauschte. Ihm, den Schlammtöpfen und Fumarolen, der Strokkur erschreckte mich ein paarmal mit seinem Ausbruch. Für mich ein sehr intimer Moment mit dem Land ganz allein.