Von Chacker|14. November 2017|Island|

Der nächste Tag stand hauptsächlich unter dem Motto „Wasserfälle“ aber zuerst war natürlich der Geysir bzw. Strokkur bei morgendlichem Licht an der Reihe. Wie am Abend zuvor, war recht wenig Publikumsverkehr und so konnten wir das Spektakel fast ganz allein genießen.

So schön gestartet, stand als erster Wasserfall der Gullfoss auf dem Plan. Gehört hatte ich ihn ja schon am Abend zuvor und so freute nicht nur ich mich auf diesen wunderbar gewaltigen Anblick. Auch wenn ich den Gullfoss nun schon einige Male gesehen hatte, war er nicht minder schön als beim ersten Mal wie jetzt bei meinen Eltern. Es kommt mittlerweile sogar vielleicht ein Gefühl wie „zurück kommen“ dazu. Na jedenfalls waren fast keine Leute unterwegs und meine Frau und Eltern liefen auch schnurstracks den Weg hinunter. Ich blieb wegen Fotografieren zurück und traf einen anderen netten Kerl mit ein PENTACON SIX TL! Die Freude bei mir war natürlich groß und wir quatschten ein bisschen, weil P6 Knipser sieht man ja nicht so oft. Derweil hatten die anderen die Steinplattform direkt am Gullfoss für einige Minuten für sich ganz allein. Ja, so ein Motiv konnte ich mir nicht entgehen lassen. Kurz, wir freuten uns am Tosen des goldenen Wasserfalls. Nach dem obligatorischen Bummeln im Souvenirshop ging es weiter zum Seljalandsfoss.

 

Den sieht man ja schon von Weitem und so steigt die Vorfreude quasi langsam höher und höher. Hier waren dann doch schon einige Busse unterwegs und der Parkplatz wurde vergrößert, seit wir das letzte Mal da gewesen waren. Selbstverständlich musste der Seljalandsfoss auch umrundet werden, was einem Spaziergang im Regen gleicht vom Feuchtigsgrad her. Spaß macht es auf jeden Fall immer und lohnt sich.

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Vor ein paar Jahren wohl noch eher als eine Art Geheimtipp gehandelt, findet sich so 300m hinter dem Seljalandsfoss der Gljúfrabúi. Ja schwieriges Wort. Deshalb nennen wir ihn einfach Spaltenfoss, weil er versteckt in einer Felsspalte liegt. Um trockenen Fußes hinein zu gelangen, muss man ein wenig über Steine im Flüsschen balancieren, was auch in nassen Schuhen resultieren kann. Nass wird man dort drinnen aber sowieso, also rein und staunen!

Die Mittagszeit war angebrochen und wir hatten Hunger. Zum Glück gibt es auf dem Weg zum Skogafoss ein Restaurant in einem alten Kuhstall. Den Namen hab ich vergessen, aber das lecker Essen nicht. Mit gefüllten Bauch war dann der Skogafoss an der Reihe. Gefühlt für mich noch berühmter als der Gullfoss, macht der Skogafoss auch schon von weitem mächtig Eindruck. Auch diesmal hatte ich mir vorgenommen die Schatzkiste hinter dem Wasserfall zu bergen – und kapitulierte so direkt vor dem tobenden Wasser (es fällt so 60 Meter tief) wiedermal. Dann halt das nächste Mal! Dafür machten wir Bekanntschaft mit einem netten Fotografen aus Korea. Was haben wir es gut, dass Island irgendwie direkt vor unsere Haustür liegt.

 

Auf dem Rückweg hielten wir noch einige Male an besonders schönen Stellen an, da kann man sich fast garnicht gegen wehren bei diesen Ausblicken. Eigentlich wollten wir auch noch in das Schwimmbad Laugarvatn Fontana, aber wir waren ein bisschen sehr fertig und verzichteten darauf. War ja auch schon spät, der Tag lang und das Wetter versprach Aussicht auf Nordlichter.

Also ein bisschen Ausruhen, Essen und warten. Meine Mutter behauptete die ganze Zeit, es würde um 22:30 Uhr richtig losgehen. Ein paar schimmernde Streifen waren vorher schon zu erahnen gewesen als wir wieder im Dunkeln um den Geysir herumspazierten. Um Punkt 22:30 aber, kein Witz, ging Feuerwerk am Himmel los! Dafür hatte ich extra die Fuji XPRO eingepackt und die nächsten Stunden standen Fuji, meine Familie und ich bei Minusgraden und freuten uns an den Nordlichtern. Beschreiben kann ich diese Augenblicke nicht wirklich. Klingt zwar blöd, aber das muss man mit eigenen Augen gesehen haben um es zu verstehen. Für mich sind Nordlichter einfach ein seltsam stilles und unglaublich schönes Wunder. Vorsicht, macht süchtig!

 

Trotz aller Schönheit ging, den tiefen Temperaturen geschuldet, einer nach dem anderen rein und so stand ich irgendwann mitten in der Nacht mit tauben Händen und Füßen ganz allein mit den Lichtern dort. Für solche Momente lebt man, glaube ich. Irgenwann musste ich dann die Segel streichen und ging sehr glücklich und durchgefroren ins Bett. Sogar von dort aus waren sie zu sehen.