Nun beschäftige ich mich ja schon eine Weile mit der Fotografie auf Film, entwickle SW Filme selbst und freue mich dann die Negative und Positive per Scanner auf den Monitor zu bringen. Hybride Verarbeitung wie man so sagt. Der nächste Schritt wäre die Verarbeitung der selbstgemachten Fotos in der eigenen Dunkelkammer und genau deshalb spukt mir dieser Gedanke auch schon recht lange im Kopf herum. Logisch.

Im Dezember bot sich die Chance auf ein gutes Angebot von der Sorte „die man nicht ablehnen kann“ – im Positiven Sinne – und so kam ich mit einem vollgepackten Auto und einer recht kompletten Dunkelkammerausrüstung nach hause. Nach einer Sichtung und Sortierung in Ruhe festigte sich mein innerliches Grinsen bis hinter(!) beide Ohren. Das ganze Paket war so komplett, dass ich am folgenden Wochenende gleich ein Kämmerchen im Keller zur provisorischen Dunkelkammer umfunktionieren und ausprobieren konnte. Das Ganze hat mir schon für die paar Stunden Probieren so viel Freude bereitet, dass ich in Zukunft wohl bedeutend weniger Tageslicht abbekommen werde. Es ist aber auch erstaunlich, was man nur durch den Versuch nass zu Vergrößern über seine Negative lernen kann. 

Was war also dabei?

Der Vergrößerer
Das wichtigste Utensil ist freilich der Vergrößerer und das ist in diesem Falle der allseits bekannte Durst M605 Color. Montiert ist daher der passende Farbmischkopf. Zusätzlich gab’s noch den Schwarz/Weiß Kopf mit Kondensoren für 35mm und Mittelformat in 6×6 samt Leuchtmittel dazu. Insgesamt in hervorragendem Zustand und ein echtes Prachtstück. Die passenden Vergrößerungsobjektive in 50mm (für Kleinbild) und 75mm (für Mittelformat) sind mittelprächtige Standardware von Schneider-Kreuznach und Rodenstock, sollten also für meine Spielereien erstmal eine ganze Weile genug Qualität bieten.

Die Schaltuhr
Hier wird’s interessant bzw. vielfältig. Es waren nämlich gleich mehrere dabei und ich bin noch dabei die ganzen Funktionen zu ergründen und auszuprobieren. Auf der komplexeren Seite sind es der Gossen Labosix digital S und sein scheinbar sehr ähnliches Geschwister von Hauck, der MSA 2. Beides sind digitale Laborschaltuhren mit integriertem Belichtungsmesser, Belichtungscomputer und programmierbarer Belichtungsautomatik. Klingt kompliziert und ist es auch. Teilweise. Als relativ einfache Alternative ist noch eine simple Phillips Schaltuhr dabei. Damit komme ich auch ohne langwieriges Studium der Manuale aus und kann mit ein paar Handgriffen einfach loslegen.

Der Farbanalysierer
Jepp. Ein Farbanalysierer. Bisher wusste ich garnicht, das es sowas überhaupt gibt. Das gute Stück ist jedenfalls ein „Philips Colour Analyser PCA 060“ und für mich derzeit aufgrund nicht vorhandener Kenntnisse nicht bedienbar. Er soll aber gute Dienste beim Analysieren von notwendigen Farbkorrekturen beim Abziehen von Farbnegativen leisten können und wird daher sicher seinen Einsatz bei mir finden. Einstweilen probiere ich wild mit Filtern herum und bilde ein Gefühl für deren Effekte auf den Abzug aus. 

Der Color Prozessor
Hinter diesem so beindruckendem Titel steckt ein uralter JOBO CPA Color Prozessor. Im Grunde genommen eine Plastikwanne mit regelbarem Heizstab, Wasserpumpe, Motor zum Hin- und Herdrehen der Entwicklungsdosen und genügend Platz für Chemikalienbehälter und großen Entwicklungsdosen im temperierten Wasserbad. Hört sich wenig spektakulär an, ist es aber. Damit kann ich nun recht unkompliziert C41, E6 und RA4 Prozesse fahren, ohne mit dem Wasserhahn und Thermometer in Stress herumpanschen zu müssen. Tolles olles Ding.
Passend dazu waren im Paket auch etliche Glasbecher, Mensuren, Wässerungsutensilien, Rührstäbe, Stoppuhr, Laboruhr und vor Allem Entwicklungsdosen in den wichtigen Größen für Kleinbildfilm, Mittelformat und Papier bis 30cmx40cm dabei. Ich zähle mal eine der genialen Agfa Rondinax 35U, eine echte Tageslichtfilmentwicklungsdose (tolles Wort), einfach hier mit dazu.

Der Film/Papiertrockner + Die Papier-Trockenpresse/Hochglanzpresse
Auch wieder so ein seltsam-cooles Gerät. Quasi die mobile Trockenhaube für Filme und Fotopapier. Es ist eine voll funktionsfähige Durst UT 100, die zumindest Filme tatsächlich unheimlich schnell trocknet. Gerät aufhängen, Stecker rein, Film/Papier rein und anschalten. Einfach und gut.
Für echtes Fotopapier auf äh… Zellulose-Basis war auch eine Heiß-Trockenpresse dabei. So „echtes“ Baryt-Fotopapier verzieht sich ganz wunderbar beim Trocknen und findige Leute kamen irgendwann mal auf die Idee, eine Presse dafür zu entwickeln. Was es nicht alles gibt.

Der Beifang
Der ganze „Beifang“ ist der eigentliche Hit. Jede Menge Zeug, was man so in der Dunkelkammer benötigt. Angefangen bei vollständigen Kontrast- und Farbkorrekturfiltersets über Dunkelkammerleuchten, Entwicklungsschalen, Papierzangen, Belichtungsrahmen, Maskierutensilien usw. bis hin zu altem Fotopapier. Eine erkleckliche Menge an Agfa Brovira, Agfa Record Rapid, Agfa Color Papier, Ilford BW Multigrade, Ilford Ilfochome+Cibachrome und diverse andere Papiere kam auch mit dabei. Insgesamt eine Menge Material zum Herumprobieren und Studieren. Passend dazu fanden sich auch noch ein paar Flaschen vom guten Agfa Neutol und diverse andere Wundermittelchen – nur leider keine Chemie für Cibachrome Entwicklung. Die wäre wahrscheinlich wohl eh nicht mehr zu gebrauchen gewesen. Dabei bin ich doch eher Fan von Diafilm…